– aber nicht jetzt und nicht in der Dorstener Zeitung

Am Samstag, 9.2.2019 berichtete die Dorstener Zeitung über das Quartiersgespräch im Marienviertel am Donnerstag zuvor und stellte gleichzeitig damit eine Leserumfrage sowohl in der Papier- als auch in der Online-Ausgabe vor. Die Initiative Zukunft Marienviertel sieht diese Form der Meinungsbildung sehr kritisch und nimmt nach intensiven internen Beratungen gegenüber der Dorstener Zeitung entsprechend Stellung.

In etwas verkürzter Form ging diese Stellungnahme heute an die Dorstener Zeitung. Die folgende, längere Version nimmt Hintergrundwissen auf, das bislang nicht betroffenen und an der Diskussion beteiligten Lesern dieser Marienviertel-Seite das Verstehen erleichtert, so zum Beispiel die Haltung der Stadt dazu, die der Redaktion bekannt ist..

Betrifft: Ihre Berichterstattung über das 5. Quartiersgespräch im Marienviertel am 7. Februar 2019, unter „Das Marienviertel stimmt ab“ in der Samstagsausgabe der Dorstener Zeitung vom 9.2.19, Seite DNL01

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Redaktion,

zur o.a. Berichterstattung bezieht die Steuerungsgruppe der Initiative Zukunft Marienviertel (IZM) wie folgt Stellung.

Die IZM hatte in der auch Ihnen vorliegenden Einladung zum Quartiersgespräch ausdrücklich zu einer Diskussion über die Verkehrsführung in den beiden Teilbereichen des Luner Wegs und in der Straße An der Marienkirche eingeladen (Aus der Einladung: „Kommen Sie und diskutieren Sie das Für&Wider zu folgenden Fragen: …“)

Auch innerhalb des Quartiersgesprächs haben sich die Vertreterinnen der IZM gegen die Erstellung eines Meinungsbildes in der Versammlung ausgesprochen, da dies nicht aus der Einladung an alle Marienviertlerinnen zu ersehen war, auch wenn dies der Wunsch aus Rat & Verwaltung war. Vereinbart wurde letztlich vielmehr, zu einer neuen Versammlung im Herbst einzuladen und um Positionierung zu klaren Optionen zu bitten, die sich aus der engagierten Diskussion in dem Stadtteilgespräch am Donnerstag ergeben haben und die bei einer künftigen Diskussion noch einmal unter tlw. neuen Aspekten erörtert und zu einer Abstimmung im Sinne eines belastbaren Meinungsbildes führen werden. In diesem Zusammenhang war es auch eher kontraproduktiv im Sinne einer engagierten Bürgerbeteiligung, (vermutlich versehentlich) zwei Mal zu erwähnen, dass die Bürger*innen letztlich nicht entscheiden. Dies könnte bei einigen den Eindruck erwecken, die Stadtverwaltung Dorsten und der Stadtrat hätten überhaupt kein Interesse an diesem Stimmungs- oder Meinungsbild. In einer Reaktion auf den Artikel, der der IZM und der Redaktion als E-Mail zuging, versicherte Bürgermeister Stockhoff (wie auch mehrfach am Abend), dass eine Entscheidung am Ende gemäß Gemeindeordnung zwar der Verwaltung bzw. dem Stadtrat/dem zuständigen Fachausschuss obliegt; die Verwaltung, der Stadtrat oder der zuständige Ausschuss seien aber gut beraten, das Bürgervotum an dieser Stelle ernst zu nehmen, da es eben in diesen Fragestellungen keine Richtig und kein Falsch gibt, sofern die Lösung rechtlich erlaubt und verkehrssicherheitstechnisch sinnvoll ist.

Sperrung der Wienbachbrücke (Foto © jotw 2017)

Obwohl Sie wussten, dass diese Diskussion über die Verkehrsführung vereinbarungsgemäß in einer neuen Versammlung zum Abschluss gebracht werden soll, initiieren Sie eine Leserumfrage sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe. Die offene Diskussion innerhalb der betroffenen Ortsteilbevölkerung übertragen Sie so auf die Bevölkerung der Gesamtstadt bzw. auf alle DZ-Leserinnen, die bislang in die bisherige Diskussion – da nicht betroffen – auch nicht einbezogen waren. Sie suggerieren den Leserinnen damit entgegen jeglicher vereinbarter und deutlich kommunizierter Absprache zwischen Stadt und IZM, in dieser Form an dem Meinungsbild mitwirken zu können. Wir Marienviertlerinnen erinnern uns noch schmerzhaft an die Abstimmung über den Bestand der Wichernschule, die von Teilen der Dorstener wesentlich mit beeinflusst worden ist, die im Hinblick auf die Situation der jungen Familien im Marienviertel und die Attraktivität des Wohngebietes für junge Familien nicht betroffen waren; die Konsequenzen haben nun allein die derzeitigen und künftigen Bewohnerinnen des Marienviertels zu tragen.

Die Stadt versichert uns, dass am Ende nicht die Leserumfrage der Dorstener Zeitung als Meinungsbild der Entscheidungsgrundlage für Verwaltung/Ausschuss/Rat beigefügt wird, sondern – wie vereinbart und kommuniziert – die entsprechenden Voten der Bürgerinnen und Bürger des Marienviertels innerhalb der nächsten Quartierskonferenz.
Stadt und IZM möchten damit ihre Verlässlichkeit gegenüber den Teilnehmerinnen dieser Quartierskonferenz ‚Verkehrsführung‘ unterstreichen, indem der innerhalb der Versammlung gemeinschaftlich vereinbarte Weg auch eingehalten wird. Wir bemängeln zudem die methodischen Fehler der Leserumfrage (sehr unterschiedliches Fragestellung bei Print- und Online-Ausgabe, Möglichkeit einer Mehrfachabstimmung und Einbezug nicht betroffener Leserinnen/Bürger*innen).

Mit Ihrer Aktion greifen Sie in einen von uns transparent dargestellten und Ihnen bekannten laufenden Diskussionsprozess im Marienviertel ein. Bei allem Respekt vor Ihrer journalistischen Unabhängigkeit ist Ihr Vorgehen für ein lebendiges, auf Eigenständigkeit beruhendes bürgerschaftliches Engagement nicht akzeptabel. Dies kann letztlich auch nicht im Interesse einer kritischen, meinungsbildenden Lokalpresse sein.

Mit freundlichen Grüßen

für die Initiative Zukunft Marienviertel

Maria Hoffrogge    Dr.Werner Springer     Johannes Wulf

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Johannes Wulf, Administrator und Autor Mit 'jotw' kennzeichne ich Beiträge, die zwar meine Meinung wiedergeben, nicht aber unbedingt den Konsens der Initiative spiegeln. [ E-Mail ] [ Web ] [ Facebook ]

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