Brahms-Chor begeistert vollbesetzte Marienkirche

Die Erwartungen waren groß, als sich am Sonntagabend die Zuhörer in der Kirche St. Marien versammelten, wo der Brahms-Chor Dorsten die Kantaten I bis III des sechsteiligen Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach mit Unterstützung des Barockorchesters L’Arco aus Hannover und den Solisten Annabelle Heinen (Sopran), Claudia Darius (Alt), Robert Reichinek (Tenor) und Michael Marz (Bass) aufführten. „Ich freue mich auf das Oratorium, obwohl ich es schon öfter gehört habe“, äußerte sich eine Zuhörerin, und eine andere sagte: „Ich bin gespannt auf einen weihnachtlichen Abend“, während eine dritte einfach nur „schöne, entspannende Musik“ erwartete.

Brahms-Chor St Marien 2-1200

Enttäuscht wurde niemand, denn Alfred Schulze-Aulenkamp hatte dafür gesorgt, dass ein bestens vorbereiteter Chor, ein engagiertes Orchester und hochmotivierte Solisten in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche ein Konzert boten, dass die Zuhörer am Schluss mit stehenden Ovationen feierten. „Es gibt wohl kaum ein Werk, das so bekannt und beliebt ist wie diese Sammlung von sechs Kantaten“, schrieb Alfred Schulze-Aulenkamp in das Programmheft, doch sobald das „Jauchzet, frohlocket …“ ertönt, rieselt den meisten Musikbegeisterten wieder ein Schauer den Rücken herunter. Bachs Werk verzückt eben immer wieder aufs Neue, und wenn der Brahms-Chor so singt wie am Sonntagabend, freut sich jeder, dabei gewesen zu sein. Die etwa vierzig Sängerinnen und Sänger überzeugten so, dass man sich schon auf den nächsten Choral freute, obwohl auch die Solisten und der Rezitator absolut hörenswert waren. Wenn auch der Text nicht immer der überzeugendste ist: „Ach mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein sanftes Bettelein“, so läuft doch bei der Bass-Arie „Großer Herr, oh starker König, liebster Heiland, o wie wenig achtest du der Erden Pracht!“ das musikalische Herz über. Das Orchester mit seinen Barockinstrumenten klang manchmal etwas ungewohnt, aber hoch interessant. Alfred Schulze-Aulenkamp schaffte mit seiner Choreografie, die Verbindung der relativ leisen Instrumente mit der Mächtigkeit des Chores herzustellen. Im Auditorium entstand der Eindruck, dass die meisten Zuhörer, die Zeit vergessend, gerne das ganze Oratorium gehört hätten. Auf den Punkt brachten es Ursula Bensch und Bürgermeister Tobias Stockhoff mit der gemeinsamen Aussage: „Besser hätte man es nicht machen können.“
Text und Fotos: Werner Wenig

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