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Giora Feidman Trio: The Spirit of Klezmer

Giora Feidmann spielt in St. Marien

feidmann

Hervest. Nach Justus Frantz präsentiert der Kulturkreis St. Marien in diesem Jahr wieder ein musikalisches „Schwergewicht“: Klezmer-Klarinettist Giora Feidman …

… tritt am 6. November in der Hervester Kirche auf. Pfarrer Lars Hofmann, Dr. Norbert Reichling vom Jüdischen Museum (als Mitveranstalter) und Ursula Bensch vom Kulturkreis der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien freuen sich, den Auftritt ankündigen zu dürfen. Das Konzert steht unter dem Titel „The Spirit of Klezmer“.

Giora Feidman gehört zu den bekanntesten und renommiertesten Künstlern jenseits des Pop. Rund um den Globus nehmen ihn die Menschen als Musiker mit glaubwürdiger Botschaft wahr und respektieren ihn als große Bühnenpersönlichkeit.

In einer Welt, in der Musik oft austauschbar geworden ist, bleibt Feidman unverkennbar. Niemand spielt die Klarinette so wie er. Seine Zuhörer spüren, dass dies kein Künstler ist, der etwas Durcharrangiertes abspult, sondern dass er seine Zuhörer teilhaben lässt an der eigenen Begeisterung für Musik.

Sinngemäß hat er einmal gesagt: „Wenn ich Musik mache, dann spiele ich nicht Stücke auf der Klarinette vor, sondern singe mit der Klarinette ein Lied, das tief in mir ist.“ Deshalb spricht er in Interviews immer wieder von der Klarinette als dem „Mikrofon seiner Seele“. Wenn seine Klarinette seufzt, lacht, weint oder jubelt, so ist er mit Leib und Seele anwesend, um sich anderen mitzuteilen. In seinen Liedern – oder wie er selbst es sehen würde, in seinen „Gesängen“ – spiegeln sich die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse, vom osteuropäischen Klezmer über Tango, Jazz und Klassik bis hin zu orientalischen Weisen.

All diese Elemente verbinden sich zu einer Botschaft: Egal, wer du bist und woher du kommst, du bist Teil einer Gemeinschaft, unabhängig von Rasse, Religion, Nationalität und Hautfarbe. Mit dieser „Message“ ist der Weltbürger Giora Feidman ein Brückenbauer, geachtet und willkommen. Der Papst lädt ihn ein, der Bundestag und Israel holen ihn als Gast zu Zeremonien. Überall auf der Welt freuen sich Veranstalter, Orchester und Intendanten, wenn Giora Feidman in ihren Häusern Station macht. So lebt und wirkt er seit Jahrzehnten und überrascht immer wieder aufs Neue. Nur wenigen Musikern gelingt das ein ganzes Leben lang. Giora Feidmans Klarinette ist eine Bereicherung der Weltkultur, denn über dieses Medium erreicht er Seelen und bringt sie zum Klingen. Über den letzten Ton hinaus.


 

Die Dorstener Zeitung schreibt zu dem Konzert am 7. November:

Die Seele singt mit
Giora Feidmann-Trio begeisterte in der Marienkirche

DORSTEN Er brauchte keine Minute, um die Herzen der Zuschauer zu erobern: Klarinetten-Meister Giora Feidmann begeisterte am Dienstagabend mit seinem Trio beim Konzert in der Marienkirche.

Leise, fast geflüstert schweben die ersten zarten Töne aus der Dunkelheit des Kirchenschiffes, schwellen langsam an, bis der Meister der Klarinette im Kerzen erleuchteten Altarraum angekommen ist: In der ersten Sekunde eroberte Giora Feidman die Herzen seiner Zuhörer und gab sie in den kommenden zwei Stunden seines Konzertes auch nicht mehr her.

Eine Weltberühmtheit in der kleinen Marienkirche – diesen überregionalen Höhepunkt im Programm des Kulturkreises St. Marien, der dieses musikalische Erlebnis in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Westfalen und finanzieller Unterstützung der Volksbank Dorsten möglich gemacht hatte, ließen sich die Freunde des unverwechselbaren Feidman-Sounds am Dienstagabend nicht entgehen.

Liebevoll

Dicht gedrängt füllten sie die Bänke und zusätzlich aufgestellten Stühle in der Marienkirche, die diesem Anlass entsprechend liebevoll dekoriert war.

Zwei großformatige (2 x 3 m) Leinwand-Bilder aus der Werkstatt der Dorstener Künstlerin Regina Schumachers sowie Fotografien, die der Schermbecker Pfarrer Klaus Honermann bei einem Besuch in Israel aufgenommen hat, schmückten den Kirchenraum, der auch dem Stargast aus Israel zu gefielen schien: „Was für ein Tempel!“ hatte er entzückt ausgerufen, als Ursula Bensch vom Kulturkreis ihm vor Konzertbeginn „seine Bühne“ präsentierte.

Feuer in den Augen

„Was für eine Musik!“, riefen am Konzertende die Besucher aus, die dem „Grand old man“ und seine gefühlvollen Begleiter – Guido Jäger am Kontrabass und Enrique Ugarte am Akkordeon – stehend mit Applaus überschütteten.

Den Schalk im Nacken, das Feuer in den Augen und die Klarinette an den Lippen singt er durch sein Instrument, bringt es zum Lachen und Jauchzen, zum Schluchzen und Schreien, zum Tanzen und Scherzen. Kann dieser charismatische Mann tatsächlich schon 76 Jahre zählen?

Klangvielfalt

Traditionals wie „Hava Nagila“, „Shofar Dance“ und „Donna Donna“ wechseln mit Werken aus der Feder seines Musikerkollegen Guido Jäger, der seinem sperrigen Kontrabass eine erstaunliche Klangvielfalt abringt. Auch Enrique Ugarte präsentiert sich als Meister seines Faches: Seine Version des Concierto de Aranjuez (Joaquin Rodrigo) beweist eindrücklich, zu welchen Glanzleistungen ein virtuos gespieltes Akkordeon fähig ist.

„Man muss schlafen, essen, trinken und man muss singen“, erklärte Giora Feidman und ermunterte zum Schluss sein Publikum mit einzustimmen: „Jam pam pam, deideideida“ – schon summen und swingen alle, und ihre Seelen singen mit.

Anke Klapsing-Reich


Die WAZ, Redaktion Dorsten, schreibt:

Marienviertel. Selten ist ein Künstler vom Schlage eines Giora Feidmann in Dorsten zu Gast. Die rund 450 Besucher der Marienkirche durften bei seinem Konzert am Dienstag Abend erleben, was den Kosmopoliten und Musiker so unerreicht macht.

Bedächtig durchschritt Giora Feidmann das Kirchenschiff, während er leise, wie mit der Stimme eines Betenden, vor sich hin spielte. Vor dem Altar angekommen wandte er sich an sein Publikum mit der Bitte um einen gesungenen Ton, gehalten, als Gerüst für seine folgende Improvisation.

Nur ein Giora Feidmann beherrscht das Einstimmen auf einen gemeinsamen Ton so, wie es in der Marienkirche geschah. Ein Ritual, das den Zuhörer selbst zu einem Klezmer macht, eben zu einem Musikinstrument. Nichts anderes bedeutet Klezmer im Jiddischen.

„It sound’s good. Da singen Juden und Christen in einer katholischen Kirche. Das ist kein Traum, sondern das sind sie, das sind wir“, sagte Feidmann. Mal auf jiddisch, mal auf Englisch. Blitzende Fotografen wies er auf Argentinisch in die Schranken. Sanft tat er das.

Ein außergewöhnliches Konzert
In der kleinen Kirche spürten die Besucher, dass hier etwas Außergewöhnliches geschah. Giora Feidmann ist ein Versöhner, dem der liebe Gott die Klarinette in die Hand gelegt hat. Und dieser Gott ist unser aller Gott: In diesem Sinne intonierte Feidmann gemeinsam mit dem Bassisten Guido Jäger und dem grandiosen Enrique Ugarteeine musikalisch schlüssige Verschmelzung der Nationalhymnen Deutschlands, Israels und der Palästinenser, sowie eine gemeinsame Improvisation über die Gottesanrufung „dona, dona“ im Refrain des Liedes vom „Kelbl“: ein gemeinschaftlich gesungenes „Shalom chaverim“ wirkte wie weltumschlingend.

Ekstase und Lethargie, Lachen und Weinen: Feidmanns Klarinetten sind quasi die Boten seiner Seele. Wenn dann die Jungs – so nannte der Meister liebevoll seine Gesellen am Bass und am Akkordeon – das Spiel übernahmen, wurde deutlich, wie hoch die Qualität der dargebotenen Musik war.

Eine Sparte der Weltmusik
Enrique Urgate wagte sich an das für Gitarre und Orchester komponierte „Concierto de Aranjuez“: Das haben vor ihm Größen wie Gil Evans und Miles Davis getan. Urgates Darbietung war einfach grandios. Zwei Songs aus der Feder von Guido Jaeger bewiesen sein Talent.

Am Ende vereinten sich Feidmann, seine Musiker und 450 Besucher. „Summertime“ spielten die Drei: Mit Klezmer, als einer zunehmend an Nichtjuden gewandten Sparte der Weltmusik, hatte dieser Evergreen gemein, Emotionen zu transportieren.

Feidmanns Musik landet genau da, wo der Mensch sie braucht: in der Seele. Mal lyrisch, mal ekstatisch und manchmal einfach nur so herrlich machtlos voller Liebe.

„Grandios, was da in unserer Kirche geschehen ist. Ich bin gerührt“, sagte Ursula Bensch. Die Zuhörerin in der Marienkirche war mit diesen Gefühlen nicht alleine.

Jo Gernoth


Fotos vom Konzert (© Peter Körber)