„Junger Chor NRW“ verzaubert die Zuhörer*innen in der Marienkirche

Aller guten Dinge sind drei!
Im dritten Anlauf klappte es nun mit dem Konzert des Jungen Chors NRW in unserer Kulturkirche St. Marien.
Die grandiose Aufführung hätte sicher ein paar Gäste mehr verdient gehabt, ein Problem, mit dem sehr viele Künstler in dieser (Nach- oder Noch?-) Corona-Zeit zu kämpfen haben. Die vielen, die da waren, waren allerdings hellauf begeistert.

Foto: Hans-Jürgen Bensch

Für den Kulturkreis St. Marien rezensiert Ursula Berger-Nashir, Musikwissenschaftlerin und Leiterin der Musikschule Paganini hier im Marienviertel, das Konzert:

Am vergangenen Sonntag trat der Junge Chor NRW, eingeladen vom Kulturkreis St. Marien, in der Dorstener Marienkirche auf. Mit seinem Programm „Klangwelten zwischen Barock und Jazz“ präsentierte der mit 55 SängerInnen stimmstarke Chor unter der Leitung des Ehepaares Christiane Zywietz-Godland und Hermann Godland ein buntes Programm auf sehr hohem Niveau.

In ihrer Ansprache betonte Ursula Bensch vom Kulturkreis, dass sie sich sehr freue, dass nun endlich dieses besondere Konzert stattfinden könne, nachdem die Corona-Situation es mehrmals verhindert hatte. Der Chor seinerseits freute sich ebenfalls, in der klangschönen Marienkirche auftreten zu können, und bedankte sich für die sehr liebevolle Aufnahme durch den Kulturkreis St. Marien.

Das Konzert begann mit Ausschnitten aus der Motette „Jesu, meine Freude“ von J. S. Bach für fünfstimmigen Chor, welche erfreulich textverständlich vorgetragen wurde. Der folgende Psalm „Richte mich, Gott“, vertont von Felix Mendelssohn Bartholdy, begann mit klangvollen Männerstimmen, nach deren Intro die Frauenstimmen sich anschlossen. Dieser Psalm gelang dem Chor besonders durch hervorragende Intonation, wirkungsvolle Dynamik und stimmliche Verdeutlichung des Textes. Anschließend sang der Chor das Stück „Unicornis Captivatur“ des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Mittelalterliche Hymnik und jazzige Rhythmik mit vielen Taktwechseln durchziehen das Stück.  Es beginnt mit klanglich schwebenden Frauenstimmen, was sehr eindrucksvoll war.

Von einer Konzertreise durch Sibirien hatte der Chor das folgende Werk „Strekotunja  Belaboka“ (die weißgeflügelte Elster) des Komponisten Georgij Swiridow mitgebracht. Lautmalerisch beginnt das Stück mit dem Geschnatter der Elster, die Besuch ankündigt und somit Feststimmung, leckeres Essen und Lebensfreude. Sehr gekonnt führte der Chor das humorvolle Stück vor und wollte zeigen, dass die Menschen aus diesem Land gastfreundlich, warmherzig und für die momentane politische Situation nicht verantwortlich sind. Dazu bekamen sie vom Publikum zustimmenden Applaus.

Foto: Dorstener Zeitung

Das nächste Stück „Schöne Nacht“, komponiert von Wilhelm Nagel für vierstimmigen Männerchor, beeindruckte durch die sehr saubere Intonation und stimmungsvolle Interpretation. Auch im folgenden romantischen Stück „Waldesnacht“ von Johannes Brahms wurde vom Chor jede Phrase musikalisch sehr schön ausgearbeitet vorgetragen.

Die komplexe Harmonik des „Sanctus“ und „Agnus Dei“ aus der doppelchörigen Messe von Frank Martin präsentierte der Chor beeindruckend transparent. Hierbei teilte der Chor sich in 16 Stimmen auf und meisterte diese anspruchsvollen Werke.
Das vorletzte Stück des Programms war eine Uraufführung des Komponisten Klaus Kauker, der die für Chöre schwierige Situation in der Coronazeit in seinem Stück “ In Whispers“ verdeutlicht. Er beschreibt in seinem Werk das Eingesperrtsein, „Sich nicht äußern dürfen“ und die Einsamkeit, schließt aber gegen Ende des Stücks mit der Hoffnung, dass sich alles wieder zu goldenen Klangfäden verknüpft. 

Das Programm schloss mit dem Auftragswerk „Keep Your Faith“, welches mit Solostimmen durchsetzt, begleitet vom summenden Chor, jazzig, sehr rhythmisch und effektvoll das Publikum mitgerissen hat. Durch den anhaltenden Applaus beschloss der Chor das Konzert mit einem berührenden irischen Friedenslied. Das begeisterte Publikum machte deutlich, dass das Konzert ein großer Erfolg war und dass alle sich über einen erneuten Besuch des Chores freuen würden. 

Foto: Hans-Jürgen Bensch

Fast schon ein Alleinstellungsmerkmal für Veranstaltungen des Kulturkreises ist die vom ganzen Team getragene Gastfreundlichkeit gegenüber den Auftretenden.
Nach der Ankunft des Chores, der Stellprobe und dem Einsingen gab es zuerst einmal ein gemütliches Kaffeetrinken mit einem wie immer gut gelungenen Kuchenbuffet, bevor es ans Umkleiden und Singen ging.
Für diese Art des Willkommens bedankten sich die Chorleiter sehr freundlich:

Liebe Frau Bensch,

mit erfüllten Herzen sind unsere Chormitglieder und wir am Sonntag heimgefahren! Wir bedanken uns sehr herzlich für die so gastfreundliche Aufnahme bei Ihnen und Ihrem liebenswerten Team, die schöne Rose, den herrlichen Wein und alle Organisation!

 […]

Bleibt noch, Ihnen, Ihrem lieben Mann und Ihren netten Mitstreiterinnen alles Gute und stabile Gesundheit zu wünschen!

 Mit herzlichen Grüßen aus Essen

Christiane Zywietz-Godland & Hermann  Godland

Christiane Zywietz-Godland & Hermann Godland. Foto: Dorstener Zeitung

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