Rückblicke

Schade :-(

Es hätte ein Fanal werden können:
ein Chor mit der Riesenlust, endlich, nach 15 Monaten Zwangspause, wieder gemeinsam zu singen,
ein Kulturkreis, der im Januar 2020 letztmalig Gäste begrüßen konnte zum Gig von LOFX,
Gäste, hungrig auf Live-Kultur,

hätten dem Corona-Virus deutlich zurufen können: Verschwinde endlich, wir sind Dich leid!

Es kam leider so ganz anders. Der Junge Chor NRW, mit rd. 70 Sängerinnen und Sängern zu groß, um coronakonform mit Zuschauern in der Kirche auftreten zu können, hätte auch nicht sinnvoll im Pfarrgarten (wie geplant) oder auf der Pfarrwiese singen können: aufgeweichter Boden, Regenschauer und Gewitter; auch für die Besucher*innen wäre es unzumutbar gewesen. Daher musste eine kurzfristige Absage des Konzerts erfolgen. Wirklich schade!

Und weil der Chor schon mal da war und sich in der Kirche eingesungen hatte, wollten auch die künstlerischen Leiter Christiane Zywietz-Godland & Hermann Godland die Chance nutzen zu einer Art Probe, sodass  einige wenige mitgereiste Verwandte und Freunde und die Frauen des Kulturkreises doch noch in den Genuss eines ganz besonderen Chor-Konzerts kamen.

Allein schon die Aufstellung war ungewohnt: mit gehörigem Abstand einmal rund in der Kirche  mit einer verstärkten Besetzung des Altarbereichs und der hinteren Bänke.

‚Low Effects‘ rocken das Marienviertel

Ha, es war ein Mega-Spaß mit LOFX!

Beim ersten komplett selbst organisierten Konzert der Dorsten-Schermbecker Acoustik-Cover-Band stimmte alles: Pfarrsaal St. Marien mit 120 begeisterten Besuchern ausverkauft, 4 Musiker mit Riesenspaß am Spiel – und kalte Getränke und lecker Currywurst von den Damen des Kulturkreises St. Marien, der an diesem Abend Kooperationspartner war.

Foto: Margot Aldenhoff

Selbst organisiert: Das bedeutete auch, dass die Band selbst ihre Setlist entwarf – und das tat sie fein abgestimmt auf das Ambiente mit ganz viel Fingerspitzengefühl! So gab´s etwas mehr gefühlvolle Balladen als sonst z. B. bei Straßenfesten, immer in sehr eigenständigen, manchmal auch eigenwilligen Arrangements.  Peter Andrikopoulos konnte nicht nur bei seinen begeisternden Gitarrensoli seine Virtuosität, im gesamten letzten Set auch an der E-Gitarre, unter Beweis stellen. Friedhelm Naujoks, üblicherweise bei LOFX auf der Cajón sitzend, hatte seine große ‚Schießbude‘ mitgebracht und zeigte im Solo, was er in 50 Jahren am Schlagzeug gelernt hatte. Wolfgang Grebe, absolut professionell sowohl an der Akustik- als auch an der E-Bass-Gitarre, sorgte auch im Gesang für die tiefen Töne („Bassplayers Do It Deeper“). Michaela Grebe, Front- und Wolfgangs Ehefrau,  vergaß bei ihrem jazzig-souligen Gesang, mal laut, mal leise, ihre Erkältung und gab alles („Was morgen ist, interessiert mich nicht“) und zeigte eine hinreißende Bühnenpräsenz. Es passte alles!

Eine Superparty für alle, die dabei waren!

Foto: Margot Aldenhoff
Foto: Margot Aldenhoff

Ein ‚Back To The Roots“ war es auch für die Damen des Kulturkreises St. Marien, die hier erstmals ein Rock-und-Pop-Konzert im Rahmen ihres Kulturprogramms angeboten haben: Vor über 10 Jahren hatten einige aus der gemeindlichen Frauengruppe „Frauen begegnen Frauen“ die Idee, Oldie-Discos im Pfarrheim zu organisieren. Getragen vom Erfolg dieser Veranstaltungen entstand der Gedanke, mehr anzubieten: Der ‚Kulturkreis St. Marien‘ mit aktuell 14 Frauen (und einigen ihrer Männer in eher ‚tragenden‘ Rollen) war geboren. Wer alles schon da war, wer bald kommt, lesen Sie auf diesen Seiten.
Dass in den Damen mehr steckt als ’nur‘ die mit der leckeren Currywurst  gezeigten hausfraulichen Qualitäten , zeigten sie, wenn sie die Getränke- und Wursttheke verließen und im Saal nicht nur mit den Füßen wippten.

Foto: Margot Aldenhoff
Foto: © Petra Bosse / Dorsten-Online.de
Foto: © Petra Bosse / Dorsten-Online.de

Weitere Fotostrecken und Berichte unter:
https://dorsten-online.de/
https://www.dorstenerzeitung.de/ (DZ+)
https://lofx.de

 

Don Kosaken in der Marienkirche: Stimmgewaltige Gesänge

Mit seinen stimmgewaltigen Gesängen hat der eindrucksvolle ‚Don Kosaken Chor Serge Jaroff ® unter Leitung von Wanja Hlibka‘ am Montagabend  etwa einhundertfünfzig Zuhörer begeistert.

„Diesen Chor zu erleben, ist immer wieder ein Hörerlebnis: eindrucksvoll und berührend“, meinte ein Gast, der schon oft in den Konzerten des Chors war, auch schon unter dem Dirigat von Serge Jaroff. „Auch wenn es früher mal an die 40 Sänger waren, diese 12 heute reichen für ein tolles Konzert.“

Foto: © Wolfgang Just / Kulturkreis St. Marien

Diese 12: Die stimmgewaltigen, akademisch ausgebildeten Solisten, allesamt auch in großen (ost-) europäischen Opernhäusern tätig, werden von der Fachpresse immer wieder als „russische Stimmwunder“ bezeichnet. Sie begeistern ihr Publikum mit ihren einmalig kraftvollen, herrlich timbrierten Stimmen und vermitteln den ganzen Zauber und auch die ureigene Melancholie der russischen Musik nahezu in Vollendung (wobei man besser nicht eine Übersetzung ins Deutsche liest: Manche der sog. Volksweisen sind ganz schön blutrünstig und grauselig; die Donkasaken bildeten schließlich eine wegen ihrer Härte gefürchtete Armee und manche der Lieder stehen in genau dieser Tradition!).

 

  
Fotos: © Peter Koerber / Kulturkreis St. Marien

Sehr beeindruckend: der erste Teil des Konzerts mit sakralen Liedern aus der russisch-orthodoxen Liturgie. Gleich das ‚Credo‘ zu Beginn faszinierte mit der deutlich vorgetragenen Inbrunst von Gläubigen, aber auch mit der voluminösen Stimmführung der einzelnen Sänger vom tiefsten Bass bis zum Diskant – und brachte die Akustik der Kirche an ihre Grenzen: einige wenige Mal reagierte der Kirchenraum wie ein übersteuerter Verstärker.

Foto: © Wolfgang Just / Kulturkreis St. Marien

Die Traditionals nach der Pause zeigen immer wieder deutlich die ‚Handschrift‘ des Chor-Gründers. Erst ab 2001 durfte Wanja Hlibka die Original-Arrangements von Serge Jaroff für seine künstlerische Arbeit nutzen – und das bringt Gänsehaut pur bis hin zur zweiten Zugabe, einem in Deutsch gesungenem „Guten Abend, gut‘ Nacht“:  leise-zärtlich vorgetragen und dennoch den Kirchenraum bis in letzte Ecke füllend.

Foto: © Peter Koerber/ Kulturkreis St. Marien

Ein solch hochkarätiges Spitzenensemble kann es sich auch leisten (und ich empfinde es als wohltuend!), auf jegliche Effekthascherei und ‚Show‘ zu verzichten, auch bei einem folkloristischem Highlight wie ‚Kalinka‘: schwarze Kosakenmonturen mit roten Lampassen und schwarzen Gürteln, der Dirigent mit sparsamen Handbewegungen, die Sänger still stehend mit auf dem Rücken verschränkten Armen; nur bei ihren Soli brachten die jeweiligen Sänger die Hände nach vorn und die Daumen hakten im Gürtel ein. Das reicht – wenn ein Chor wie dieser so mit seiner Sangeskunst  überzeugen kann.

Foto: © Wolfgang Just / Kulturkreis St. Marien

Text: jotw

Alle Fotos der folgenden Bildergalerie: © Wolfgang Just / Kulturkreis St. Marien

Alle Fotos der folgenden Bildergalerie: © Peter Koerber / Kulturkreis St. Marien

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Was soll der Unsinn? – Fontane reloaded

„Aller guten Dinge sind drei“: Nein, kein Aphorismus von Theodor Fontane, aber ein guter Ratschlag, den das Baumhaus-Team beherzigte. Nach den zwei Veranstaltungen im ausverkauften Baumhaus im Frühjahr gastierte die Schauspielergruppe um ihren Impressario und Drehbuchautoren Bertold Hanck nun auf Einladung des Kulturkreises St. Marien im dortigen Pfarrheim, das ebenfalls voll besetzt war.

Tenor bei den Gästen im vollbesetzten Pfarrheim: „Tolle Leistung derSchauspieler!“

Zum seinem 200. Geburtstag erweckte die Truppe Theodor Fontane, den wohl wichtigsten Vertreter des deutschen poetischen und literarischen Realismus, mit biografischen Notizen, zeitgenössischen Bildern, mit Zitaten, Gedichten und Balladen (teils gesungen in Folkrock-Manier à la Achim Reichel), mit Spielszenen aus ‚Effi Briest‘, ‚Irrungen und Wirrungen‘ und dem ‚Stechlin‘ wieder zum Leben. Ansteckend: die Spielfreude der Akteure. Beeindruckend: die Intensität ihres Spiels, die eindrucksvoll den radikalen Demokraten, den humorigen Poeten, den Romancier, den Kämpfer gegen unsinnige gesellschaftliche Zwänge, den Fake-News-Journalisten, den flatterhaften Politiker, eben Fontane in all seinen Facetten, auf die Pfarrheim-Bühne brachte.

Der Stechlin im Interview

Ebenbürtig: das Kuchenbüfett der Kulturkreis-Frauen, die schon eineinhalb Stunden vorher in ihr Kultur-Café zum Torten-Zauber einluden, ein Angebot, das an diesem verregneten Sonntag gerne angenommen wurde.

Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Fotos: © Heike Kringel / Kulturkreis St. Marien

Rundum: eine tolle Veranstaltung, ein „lehrreicher, informativer und sehr unterhaltsamer“ Nachmittag, wie nicht nur Ursula Bensch, Sprecherin des Kulturkreises, in ihrem Dank an die Baumhaus-Truppe betonte.

Impressionen von der Veranstaltung
(Alle Fotos: © Klaus Kringel / Kulturkreis St. Marien):

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