Giora Feidman

Es ist schon erstaunlich, wie es Ursula Bensch mit ihren Kolleginnen vom Kulturkreis St. Marien immer wieder schafft, erstklassige Künstlerinnen und Künstler in die Kirche zu holen.

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Bisweilen jedoch gelingt eine Überraschung, die auch diese hochklassigen Konzerte noch in den Schatten stellen. So geschehen am Mittwochabend mit dem Klarinettisten Giora Feidman und dem Gershwin String Quartet, die die Zuhörer nicht nur zum Mitsingen anregten, sondern auch zu einmaligen Beifallsstürmen.

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Natürlich stand Klezmer im Mittelpunkt, dessen berühmtester Interpret Giora Feidman ist.
Gemeinhin wird Klezmer als eine jiddisch-jüdische Musikrichtung angesehen, doch dagegen protestierte der angesehene Klarinettist entschieden. „Klezmer ist nicht Musik, es ist Sprache, genauer gesagt, die Sprache der Seele“, erläuterte er. „Der lebendige Körper ist ein Instrument der Stimme. Leben ist Seele, sie drückt sich aus durch den Klang der inneren Stimme, die ich mit anderen Menschen teile. Wenn ich mein Instrument spiele, dann denke ich nicht, dann fühle ich die Musik und die damit verbundene Seele. Das Ziel meiner Konzerte ist es, dass die Leute mit einem anderen Gefühl in der Seele nach Hause gehen.“
Das Konzert zeigte, dass er das tatsächlich erreichte. Aufgewühlt und still verließen sie die Kirche, erfüllt von dem eben Gehörten. Wie das von Giora Feidman komponierte „Prayer“ (Gebet), ein Solo für Klarinette, leise gespielt, mit unendlich viel Gefühl, und doch weit entfernt von jeglichem Kitsch. Und tatsächlich, es veränderte die Zuhörer. Absolut still wurde es in der Kirche, die Klarinette berührte einen jeden.

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Die folgenden Stücke waren eigentlich bekannt, wie zum Beispiel „Hava Naghila“ und „Nobody knows the trouble I have seen“. Doch von Feidman gespielt klangen sie völlig neu. Spannend war es, und ungewohnt, doch wunderschön. Schon zur Pause gab er eine Zugabe, er spielte die Nationalhymnen von Deutschland, Israel und den Palästinensern. Ein Friedenslied wurde es, als Feidman erklärte: „In Israel wohne ich, es ist die Heimstatt der Juden, und ich spiele die palästinensische Nationalhymne, weil die Palästinenser meine Brüder sind.“ Das kam beim Publikum an, und so wurde das ganze Konzert zu einem rauschenden Erfolg.

 

Text und Fotos: Dr. Werner Wenig


 

Unsere Gästin Barbara Dinkel aus Bochum stellte uns liebenswerterweise diese stimmungsvollen Bilder vom Konzert zur Verfügung:

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