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Wienbachbrücke: Wunsch vs. Wirklichkeit?

Die Dorstener Zeitung berichtet heute über eine Interessengemeinschaft im Marienviertel, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die seit 16 Monaten gesperrte Wienbachbrücke am Luner Weg dauerhaft nicht wieder für den Autoverkehr freizugeben.
Bekanntlich hatte der Emscher-Lippe-Verband die Brücke wegen möglicher Mängel in der Tragfähigkeit seinerzeit für Kfz gesperrt. Seitdem ist weder ein Gutachten noch ein (Zeit-) Plan dazu veröffentlicht worden: Gibt es so etwas überhaupt schon?

Den positiven Aspekten, wie sie die Dorstener Zeitung beschreibt, ist nichts mehr hinzuzufügen. Zwischen Lunemann und Riedweg gibt es aber auch eine Reihe von Stimmen, die die Brücke gerne wieder offen sehen wollen.

Da sind einige Anwohner, denen jetzt schon vor den Umwegen graut, wenn – bei gesperrter Brücke – der Kreisverkehr Luisenstr/Bismarckstr/Möllenweg gebaut wird; bei denen ginge es dann über Riedweg und Gälkenheide Richtung Wulfen, über Friedrichstraße und Borkener Straße nach Dorsten …

Feuerwehrleute aus dem Luner Feld hätten dann dauerhaft einen weit längeren und problematischeren Weg zur Hauptwache über Bismarckstraße und Ampelkreuzung An der Wienbecke. Dadurch tritt ein erheblicher Zeitverlust ein. Darüber sollte jeder nachdenken, für den Fall, dass er mal selbst Hilfe von der Feuerwehr benötigt.

Wenn, wie es abzusehen ist, die beiden Bahnunterführungen zwischen Marienstraße und An der Wienbecke Einbahnstraße bleiben, entfällt für den Luner Weg und den Möllenweg die Belastung durch Autos aus Wulfen in Richtung Holsterhausen; die fahren dann, wie jetzt schon, über die Bismarckstraße und die rumpelige Marienstraße.

Wo könnten Lösungen liegen? Eine Einbahnstraße zwischen Möllenweg und An der Wienbecke forderte erst recht zum Rasen auf, da dann der mögliche Begegnungsverkehr auf der Wienbachbrücke entfiele; eine Freigabe nur für Anlieger und Feuerwehrleute auf dem Weg zum Einsatz bedürfte einer dauernden Kontrolle. Eine Raserei auf dem Luner Weg ist wohl auch nicht das Problem: knapp 70 m zwischen Möllenweg und Brücke und die rd. 200 m zwischen Brücke und Marienstraße sind nicht gerade attraktive Rennstrecken …
Dem Möllenweg etwas mehr Ruhe zu geben, wäre sicherlich klug.

Das Argument der Bequemlichkeit, zum Friedhof zu kommen, wie ich es hörte, ist auch nicht gerade schlagend. Genauso falsch ist es aber auch zu sagen, dass die Aktiven der Interessengemeinschaft am Pippi-Langstrumpf-Syndrom leiden: 2 x 3 macht 4, widdewiddewitt, und Drei macht Neune!! Ich mach’ mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt …. Konstruktives bürgerschaftliches Engagement für eine Verbesserung des Wohnumfelds ist richtig und nötig und wird beachtet, wie auch die Arbeit der ‘Initiative Zukunft Marienviertel’ zeigt (die dem Vernehmen nach das Thema Wienbachbrücke nicht in ihr Portfolio aufnehmen wird: zu heterogen seien die Meinungen innerhalb der Aktiven in der Initiative).

jotw

 

 

Beitrag von:

Johannes Wulf, Administrator und Autor Mit dem Autorenkürzel ‘jotw’ kennzeichne ich meine Beiträge. [ E-Mail ] [ Web ] [ Facebook ]

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  1. jotw

    Dorstener-Zeitung-Leser Stefan Günther schreibt als Leserbrief zu dem Artikel „Wienbachbrücke soll auf Wunsch der Anwohner gesperrt bleiben” (DZ-Ausgabe vom 27.8.18)
    Sperrung führt zu unnötigen Umwegen
    Mich ärgert die Sperrung ebenfalls, weil sie zu unnötigen Umwegen führt. Ebenso wie auch die völlig unverständliche Sperrung der Wasserstraße an der Einmündung Funkenberg.
    Im Grunde profitiert von einer Sperrung stets allein derjenige, der direkt an der Sperrung wohnt. Alle anderen Verkehrsteilnehmer müssen unnötige Umwege in Kauf nehmen und die Anwohner der Umgehungsstrecken überproportionale zusätzliche Verkehrsbelastung erdulden, da der Verkehr nun insgesamt eine größere Strecke zurücklegen muss. Und natürlich leidet in direkter Konsequenz auch die Umwelt zusätzlich.

  2. jotw

    Rolf Rommeswinkel, Grüner Weg, schreibt zu dem Artikel der Dorstener Zeitung einen Leserbrief:
    Abkürzung entscheidet über Leben und Tod
    Jeder hätte vor seinem Haus wohl gerne eine Straße, die für den Verkehr gesperrt ist, zumal dann, wenn man sein eigenes Haus bequem über andere Straßen mit dem Auto erreichen kann. Hier haben die Befürworter einer Dauersperrung aber wohl übersehen, dass im Luner Feld (Möllenweg, Riedweg, Friedenau usw.) mehr als ein halbes Dutzend Freiwilliger Feuerwehrleute wohnen. Die kürzeste und schnellste Verbindung zum Feuerwehrgerätehaus führt über den Luner Weg. Nach Freigabe der Bismarckstraße ist auch wieder die Ampel an der Kreuzung Bismarckstr./Grüner Weg in Betrieb. Eine Anfahrt zur Feuerwache über die Bismarckstr. und die damit verbundene Ampelkreuzung führt sicherlich zu einer Zeitverzögerung von zwei Minuten. Zwei Minuten können im Ernstfall über Leben und Tod oder über kleinere oder größere Sachschäden entscheiden. Dies sollten die Befürworter einer Dauersperrung vielleicht mal in ihre Überlegungen einbeziehen. Das Argument, dass diese Strecke als Abkürzungsstrecke von Holsterhausen nach Hervest-Dorsten und zurück benutzt wird, kann ich nur teilweise nachvollziehen, da der Rückweg durch die Einbahnstraßenregelung gar nicht möglich ist. Im Übrigen wird sich der dort ansässige Bauer sicherlich nicht darüber freuen, dass er, um seine Felder zu erreichen, einen Umweg von mehr als einem Kilometer fahren muss, die er sonst nach 100 Metern erreicht hätte.

  3. M. Benson

    Gesperrte Wienbachbrücke
    Ich bin der Meinung, dass die Brücke nach Wiederherstellung wieder für den allgemeinen Verkehr freigegeben werden muss.
    Einerseits würde eine Sperrung nicht mit dem allgemeinen Wege- und Gewohnheitsrecht vereinbar sein, andererseits würde der Verkehr innerhalb des Marienviertels verdichtet.
    Wo kämen wir hin, wenn das Verkehrsplanungskonzept der Stadt im Nachhinein quasi außer Kraft gesetzt würde, weil die Anwohner den Straßenlärm nicht mehr ertragen oder ihre Kinder nicht mehr zu den dafür vorgesehenen Spielplätzen begleiten wollen? Das Prinzip der Gleichbehandlung aller Bürger würde dann doch mit den Füßen getreten. Ich kann doch nicht verlangen, dass man mich entlastet, wenn ich doch als aufgeklärter Bürger gleichzeitig weiß, dass ich meine Mitbürger damit belaste, das ist purer Egoismus. Natürlich wäre das für die Antragsteller schön, Gott sei Dank leben wir jedoch nicht mehr im Feudalismus. Herzöge, Grafen, Bischöfe und andere Landesherren haben bei der Entscheidungsfindung keinen Einfluss mehr.
    Es sollten auch mal die dort ansässigen Landwirte befragt werden, die haben bestimmt schon vor 1938 dort gewohnt und die Brücke zwingend gebraucht. Ich erinnere mich noch an die Fragestellung einer der dort ansässigen Landwirte. Er stellte die Frage in einer Versammlung, in der es um die Luisenstraße ging. Sie lautete: “Wann wird die Wienbachbrücke wieder für den Verkehr freigegeben?” “Wahrscheinlich noch dieses Jahr, wir stehen mit den zuständigen Stellen in Verbindung.”
    Das war die Antwort.

    • Jennifer Schug

      Sehr geehrter Herr Benson,

      als Anwohner der Straßen Möllenweg, Lüner Weg, Marienstraße, u.a. habe wir ein berechtigtes Interesse an der dauerhaften Schließung der Wienbach-Brücke. Es ist unser Recht dieses Interesse zu verfolgen, unserer Stadtverwaltung – als entscheidende Instanz – mitzuteilen und sie zu bitten, diese Argumente in ihre planerischen Überlegungen mit aufzunehmen. Nichts anderes haben wir getan.

      Wir sind als Interessengemeinschaft der Ansicht, dass die besseren und gewichtigeren Argumente für die dauerhafte Schließung der Brücke sprechen:

      – der erhebliche und für ein Wohngebiet unzumutbare Durchgangsverkehr, der die Abkürzung über die Brücke vor der Schließung genutzt hat;
      – die hohe Geschwindigkeit, die Fahrzeuge, aufgrund der Straßensituation in unserem Wohngebiet, aufnehmen (Wohngebietsstraßen ohne jegliche geschwindigkeitsbegrenzende Maßnahmen);
      – die durch den Durchgangsverkehr verursachte Gefährdung von Fußgängern, Fahrradfahrern, Kindern, älteren Menschen;
      – die deutlich geringere Lärmbelästigung aufgrund des Wegfalls des Durchgangsverkehrs;
      – die Gewinnung einer Fläche, auf der Kinder gefahrlos rennen, spielen, skaten, usw. können (in einem Wohngebiet, in dem leider keine Spielflächen für Kinder mehr vorhanden sind)
      – die erhebliche Entlastung der Marienstraße und damit auch der Verkehrssituation vor dem Kindergarten St. Marien;
      – das angrenzende Naturschutzgebiet: wir konnten in den letzten Monaten deutlich mehr Tiere auf dem Luner Weg beobachten, als vor der Schließung der Brücke (Blindschleichen, Schleiereulen, Grünspechte, Fledermäuse, Marder, etc.)
      – auch die zukünftige, städtebauliche Planung eines Wohngebietes auf dem ehemaligen Schulgelände spricht gegen wie Wiedereröffnung der Brücke
      u.v.m.

      Selbstverständlich mag es auch Gegenargumente geben, die für die Wiedereröffnung der Wienbach-Brücke sprechen. Es steht jedem frei, diese vorzutragen und sicherlich wird die Stadt auch diese Argumente berücksichtigen.

      Unser Vorgehen hat jedoch überhaupt nichts mit Egoismus oder “dem Unwillen unsere Kinder auf Spielplätze zu begleiten” zu tun. Im Gegenteil!

      Unser Vorgehen basiert auf Verantwortung und Engagement!
      Für unsere Familien!
      Für unsere Kinder!
      Für die Anwohner unseres Wohngebietes!
      Für unsere Nachbarschaft!!

      PS: Wir würden übrigens nur zu gerne unsere Kinder auf Spielplätze begleiten, aber leider gibt es ja im Marienviertel quasi keine Spielplätze mehr. Auch ein wichtiges Thema für die Zukunft…

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