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Windkrafträder in die Gälkenheide?

Nach dem “Windenergie-Erlass” der Landesregierung, der dem Klimaschutzgesetz Rechnung trägt, musste die Stadt Dorsten ihr Stadtgebiet überprüfen hinsichtlich für Windkraftanlagen geeigneter Areale.
Ein Bereich, der außerhalb der sog. “Tabu-Zonen” liegt, ist die Fläche zwischen den Bahngleisen, südlich der MUNA bis zum Hundeplatz in der Gälkenheide, in etwa der hier blau gefärbte Bereich:
Gälkenheide-Windkraft-osm
(wegen der besseren Übersichtlichkeit habe ich diese Karte von OpenStreetMap gewählt, den ‘offiziellen’ Plan der Stadt erhalten Sie unter diesem Link, der auch viele Erklärungen in der Legende bietet).

Die Kriterien, nach denen ein Standort beurteilt wird, ganz grob skizziert:
– 400 m Abstand zu einer Siedlung, darunter geht nichts
– 800 m Abstand zu einer Siedlung oder zu Einzelbebauung, Gehöften etc, darunter kann was gehen
– 300 m Abstand zu Naturschutzgebieten (NSG) und FFH-Gebieten (FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen, die in mehreren Anhängen zur FFH-Richtlinie aufgelistet sind. FFH-Gebiete sind ein Teil des Natura 2000-Netzwerkes), darunter geht nichts.

Die Gesundheitsgefahren durch eine Windkraftanlage sind umstritten. Wie auch im nachfolgenden Artikel der Dorstener Zeitung benannt, sehen viele ein Problem für Mensch und Tier durch Infra-Schall (Unter Infraschall versteht man Schall, dessen Frequenz unterhalb von etwa 16-20 Hz, also unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt. Infraschall ist allgemeiner Bestandteil der natürlichen Umgebung des Menschen, wird aber auch künstlich erzeugt, beispielsweise im Verkehrswesen oder durch technische Geräte).
Ein Schlagschatten-Problem wird es in der Gälkenheide nicht geben: die ‘Spargel’ stünden nördlich aller Bebauung.
Problematisch sehe ich die Nähe zu den NSGs und FFHs in der Umgebung: Unsere Dorstener Störche z.B. halten sich nicht an Flugverbotszonen und suchen auch außerhalb ‘ihres’ Gebietes nach Futter …
Was feststeht: der Freizeitwert dieses Naherholungsbereichs wird deutlich geschmälert.

(Für die in Klammern stehenden Begriffserläuterungen danke ich Wikipedia!)

2015-5-07-Windkraft-1 2015-5-07-Windkraft-2

(Ein Klick auf die Grafiken und Zeitungsartikel vergrößern sie auf ein lesbares Format)

Wie stehen Sie, wie steht Ihr dazu? Ihre/Eure Meinung ist gefragt sowohl hier (s. links die Kommentarfunktion) als auch im entsprechenden Post auf Facebook!

Nehmen Sie an der Diskussion teil:

  1. Johannes

    Wie die Stadt Dorsten auf ihrer Homepage http://www.dorsten.de am 12.5.2015 mitteilt, liegen die Pläne hinsichtlich der Windkraftanlagen öffentlich aus:

    “Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit
    ‘Sachlicher Teilflächennutzungsplan Windenergie’

    Auf dem Dorstener Stadtgebiet befinden sich bereits Windkraftkonzentrationszonen in Lembeck Wessendorf, Holsterhausen Emmelkamp, Dorsten Östrich und Hervest Orthöve mit einer Flächengröße von rd. 100 ha.

    Nach einer gesamtstädtischen Raumanalyse ergeben sich zu den bisherigen Konzentrationszonen für die Errichtung von Windkraftanlagen weitere 8 Potenzialflächen, die mit einer Flächengröße von rd. 200 ha ermittelt worden sind, in Lembeck – Mühlenberg, Lembeck – Wessendorf, Lembeck – Torfvenn, Lembeck – Rombrock, Hervest – Gälkenheide, Wulfen – Große Heide, Wulfen – Lange Heide und Holsterhausen Emmelkämper Brauck.”

    Rathaus, 2. OG des Haupttreppenhaus während der Öffnungszeiten des Rathauses

  2. Andreas Selling

    Liebe Maria, ich habe durchaus in einem zweiten Beitrag darauf aufmerksam gemacht, dass ich mir “eine Beurteilung des konkreten Falles … mit einem Abstand von 250 km (ich lebe in Göttingen) ohnehin nicht anmaßen” kann. Mir ging es darum, auf ein grundsätzliches Problem bzw. auf eine grundsätzliche Einstellung in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen.

    Ich bin jedoch im Marienviertel (Marienstraße – Im Örtken – Friedenau) aufgewachsen und kenne die Gegend natürlich recht gut. Der Begriff “Bahntrasse” für die beiden Nebenstrecken einer Nebenstrecke deutet eine Belastung an, die sicherlich so nicht gegeben ist. Mit dem Munitionslager lebt die Gegend schon recht lange, und so ein richtiger Schandfleck sind die bewaldeten und begrünten Erdbunker doch auch nicht. Ist mit der viel befahrenen Chaussee die Straße gemeint, die vom Gemeindedreieck bzw. vom Marienviertel nach Wulfen führt? Ich weiß nicht genau, wo Sie im Marienviertel wohnen, aber Sie wollen mit Ihrer Antwort auf meinen Kommentar den Eindruck erwecken, jetzt schon sehr viel unter Ihrer Umgebung “leiden” zu müssen. Ich denke, da sind Sie doch noch sehr privilegiert, und manch einer wäre froh, in so einer Umgebung leben zu dürfen. Da lassen wir doch besser die Kirche im Dorf.

    Das Interesse des einen kollidiert manchmal mit dem Interesse des anderen, und die Interessen Einzelner sind nicht immer leicht mit den Interessen der Allgemeinheit in Einklang zu bringen. Da muss klug und mit Augenmaß abgewogen werden. Das möge auch in Ihrem Fall gelingen. Schöne Grüße! A.S.

    • Maria Hoffrogge

      Es geht nicht um die Interessen Einzelner, sondern um ein Naturschutzgebiet, das wir als Anlieger schützen, dessen Entwicklung wir mit Interesse beobachten und dessen Beeinträchtigung wir befürchten. Mit der Einstufung als FFH-Gebiet hat die EU dieses nachdrücklich in die Hände von Bund, Ländern und Kommunen gestellt und als öffentliche Aufgabe formuliert. Das sollte für die Stadt Dorsten Basis ihrer Politik sein. Aufstellung von Windrädern mit Augenmaß und nicht nach dem Willen von Investoren – das wünschen wir uns von unserer Stadt!

  3. Johannes

    Facebook-Kommentar von Sonja Przystawik

    Nun, um den Wert meiner Immobilie mache ich mir keine Sorgen…, die Räder wären von meinem Haus so weit entfernt, daß sie nicht stören, habe ich doch auch schon geschrieben, Andreas. Ich werde mich aber zu dem Thema besser informieren, habe nämlich noch nicht an einem Treffen der Initiative teilgenommen.Grundsäzlich bin ich aber für einen behutsamen Umgang mit der Landschaft, es gibt einen riesigen Flächenfraß im ganzen Land…

  4. Johannes

    Facebook-Kommentar von Andreas Selling

    Liebe Sonja, liebes Marienviertel, dies sind in der Tat bedenkenswerte Argumente, und eine Beurteilung des konkreten Falles kann ich mir mit einem Abstand von 250 km ohnehin nicht anmaßen. Ich bleibe aber bei meiner grundsätzlichen Aussage: Mal schnell mit dem Billigflieger zum Shopping nach Rom? Aber gerne doch, solange ich im heimischen Gärtchen kein Flugzeug hören muss! Mal schnell auf der Autobahn zu Oma nach Münster? Super, aber bitte kein Straßenbau in meiner Nähe! Klasse, diese superschnellen ICE`s. Aber eine Bahntrasse in Hörweite – igitt. Oft kriegen diese Diskussionen dann noch so einen elitären Touch: “… fürchten um den Wert ihrer Immobilie”. Oh Gott, oh Gott, dann bitte doch sofort die Windräder in die Siedlung mit Sozialbauten, die Bahntrasse durchs Arbeiter-, die Schnellstraße durchs Migrantenviertel. Haben doch eh nix zu verlieren, die armen Schlucker, sollen sich mal nicht beklagen! Und genau darum gehen Windanlagen nicht ans Netz und werden Trassen nicht gebaut, Sonja – weil die Interessen des Einzelnen nicht immer mit den Interessen der Allgemeinheit kompatibel sind!

    • Maria Hoffrogge

      Lieber Andreas, lernen Sie doch vielleicht vor Ihren Äußerungen erst ein Mal uns, die sich mit ihrer Meinung zu den geplanten Anlagen an die Öffentlichkeit gewagt haben, kennen und urteilen Sie dann, ob wir a) wirklich elitär sind und leben und b) hier wirklich ein Stück Paradies auf Erden besteht, deren Zerstörung wir befürchten. Nein, neben dem bundesweit größten Munitionslager, 2 Bahntrassen und einer vielbefahrenen Chaussee haben wir hier auch noch Bergschäden ohne Ende und sind glücklich, dass sich trotzdem ein Stück guter Lebensraum (eben durch das Naturschutzgebiet) etabliert hat, den wir tunlichst schützen sollten.

  5. Johannes

    “Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd’ and’re an” – ich glaube nicht, dass dies für die drei im Artikel genannten Menschen zutrifft. Ob Windenergieanlagen gesundheitliche Probleme aufwerfen: ich vermag´s nicht zu sagen. Sicherlich werden der ein oder andere Hund auf dem Hundesportplatz und ganz sicher auch die Familie Brüning stellenweise ein Augenflimmern bekommen: die ‘Spargel’ würden aber nördlich von ihnen stehen und zumindest gäb´s keinen Schattenwurf. Meine Bedenken haben mit dem Flora-Fauna-Habitat zu tun, das an das beschriebene Gelände direkt angrenzt. Störche halten sich nun mal nicht an Flugverbotszonen …

  6. Johannes

    Facebook-Kommentar von Sonja Przystawik

    Soweit ich weiß, verkaufen wir Strom ins Ausland, also zusätzlichen Bedarf haben wir nicht, und in Norddeutschland gehen Windanlagen nicht ans Netz, weil keine Trassen gebaut werden.Wäre es nicht gut, erst einmal die Windräder zu nutzen, die schon da sind? Wo liegt der Sinn, vereinzelt an allen möglichen Stellen Windräder aufzustellen und kleine Ökosysteme zu zerstören. Geld verdienen? P.S.: Ich bin hier nicht direkt betroffen, also kein Schatten oder so, halte aber das bisschen Natur, was wir hier zwischen den Äckern haben für schützenswert.

  7. Johannes

    Facebook-Kommentar von Andreas Selling:

    Atomkraft – nein danke (und zu Recht!). Braunkohle und Kohle – bloß nicht. Windenergie aus Offshore-Anlagen – gerne, solange die Trasse nach Süddeutschland nicht in meiner Nähe entlangläuft. Windräder – Gott, wie häßlich, und Schatten werfen sie auch! — Das deutsche St. Floriansprinzip (bitte lass den Kirchturm im nächsten Dorf brennen) geht mir manchmal auf den Keks. Und überhaupt: Bei uns kommt der Strom sowieso aus der Steckdose. P.S. Solardächer und -anlagen sehen auch Sch… aus!

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