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Ade, Hotel Berken :(

Noch eine gute Woche und das Marienviertel ist um eine Attraktion ärmer:

Egon Berken gibt Gaststätte und Hotel aus Altersgründen auf. Einen Nachfolger hat er trotz langer Suche nicht gefunden.

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So hat er – wie ja bekannt – an einen Bauunternehmer aus Vreden verkauft, der in drei oder fünf Jahren dort wohl Wohnungen gehobenen Stils bauen wird. Bis dahin wird das ehemalige Hotel als Flüchtlingsunterkunft dienen: wo Egon früher sein schmackhaftes Essen mit freundlichen Worten servierte, finden dann Sprach- und Integrationskurse statt.

Wohl jedes Marienkind hat Egons Gastfreundschaft genossen bei irgendeinem Anlass zwischen Wiege und Bahre; jeder wird sich erinnern.
Nur eine kleine Geschichte: Im August 1998 hatten wir Besuch von einer befreundeten jungen Familie aus Kawasaki/Japan, Noriko und Tetsuya Ogawa, die zusammen mit Tetsuyas altem Professor und einer Angestellten ihres Kindergartens auf dem Weg zu einem Pädagogen-Kongress in Göteborg waren. Für sie hatten wir drei Zimmer bei Berken gebucht. Ankunft am Nachmittag: Meine Versuche, zwischen Egon und den vier Japanern, die fast kein Englisch und schon mal gar kein Deutsch sprachen, helfend zu vermitteln, wischte Egon mit einer raumgreifenden Armbewegung zur Seite; er nahm sie liebevoll und auf Denglisch unter seine Fittiche.
Unsere Gäste kannten zwar das Hofbräuhaus in Tokio; Noriko, sehr zierlich und im 6. Monat schwanger, bestellte sich abends eine Haxe mit Kraut und Püree! Noriko (die kleine im Vordergrund) genoss etwa ein Drittel der deftigen Mahlzeit mit offensichtlichem Genuss, gab dann aber erschöpft auf. Und  – was mich überraschte, weil damals in Deutschland noch eher unüblich – Egon hatte aus dem Stand ‘doggy bags’ parat, stellte ihr eine kleine Schale mit Fleisch als Nachtmahlzeit aufs Zimmer und wärmte ihr zum Frühstück noch etwas davon auf. Ich denke, die Portion hat bis Göteborg gereicht 🙂 Unsere Gäste haben sich bei Berken pudelwohl gefühlt!

Aber so war Egon in seinem Restaurant: freundlich, hilfsbereit, persönlich und individuell auf seine Gäste eingehend. Mit der Aufgabe des Hotels verliert Dorsten, verliert das Marienviertel etwas Gemütliches, Heimeliges, Vertrautes.

Alles Gute, lieber Egon, für Deinen Ruhestand, schade, aber Du hast ihn Dir in fast 60 Jahren ‘Arbeit am Gast’ redlich verdient! Ad multos annos!

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